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Nachteile Einzelkind

So reizvoll und plausibel die Vorteile von Einzelkindern sind, so gibt es eben auch Nachteile dieses Familienmodells.

Einsamkeit – Geschwister als Spielkameraden

Was mir dabei aktuell am präsentesten ist, ist der Fakt, dass unser Kleiner mit einem Bruder oder einer Schwester einen ständigen Spielkameraden hätte. Er geht im Spiel mit anderen Kindern so auf und es fühlt sich manchmal an, als verwehrten wir ihm hier etwas Großes. Zu Hause spielen wir natürlich viel mit ihm, aber es ist doch etwas anderes, ob man mit Ähnlichaltrigen spielt oder mit Mama und Papa. Auch im Urlaub ist es ohne Geschwister meist langweiliger. Vergangenes Jahr waren wir in Dänemark in einem zauberhaften Ferienhaus, direkt am Meer. Wenn wir nicht gerade am Strand waren, ist uns in dem Häuschen aber die Decke auf den Kopf gefallen, da es dem Kleinen schnell langweilig wurde. Anstelle von Geschwistern kann man für diesen Fall natürlich Freunde der Kinder mitnehmen. Hier habe ich allerdings Sorge, dass mir dann der Familienflow zu eingeschränkt wäre. Wichtig ist, dass dieser Aspekt der Langeweile nicht in Einsamkeit umschlägt.

Bedingungslose Geschwisterliebe

Geschwisterliebe ist ein unbezahlbares Band. Ohne Geschwister können Einzelkinder nicht die gleiche Art von emotionaler Unterstützung und Bindung erfahren, die Geschwister im Idealfall bieten können. Diese bedingungslose Liebe, die man ansonsten nur von den Eltern, den eigenen Kindern und in leicht schwächerer Ausprägung auch vom Partner erhält, ist ein sehr gewinnbringender Baustein im Leben. In Geschwistern, zumindest habe ich es in meiner Familie so kennengelernt, findet man einen Zufluchtsort, egal, was passiert, man hat ein Netz, in das man fallen kann, das einen leichter durchs Leben gehen lässt, weil man weiß, ich werde aufgefangen. In meinem Freundeskreis habe ich keine Verbindungen erlebt, die auch nur annähernd so intensiv sind. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich eben dieses Geschwister- und Familiennetz habe und deshalb ggf. weniger in Freundschaften investiere, als es Einzelkinder vielleicht tun.

Speziell im späteren Leben, wenn die Eltern nicht mehr da sind, stelle ich mir das Geschwisterband als sehr wertvoll vor. Da ist dann noch jemand, dem ich ähnlich viel bedeute, wie meinen Eltern. Hinzu kommt die geteilte Trauer, wenn die Eltern sterben. Niemand anderes empfindet so gleich wie du über den Verlust. Das sind nun mal die Geschwister, die in dem Moment auch Mama oder Papa verloren haben.

Zuviel Druck auf dem Einzelkind

Ein Einzelkind steht automatisch im Fokus der Eltern. Daher können Einzelkinder oft unter einem höheren Druck stehen, die Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen, da sie alleine die Aufmerksamkeit und die Hoffnungen der Familie auf sich tragen. Eine Spielplatzfreundin hatte mir genau das auch als belastend geschildert. Sie ist als Einzelkind aufgewachsen und empfand diesen Fokus als unangenehm. Und dabei geht es nicht nur um Performance, in Schule, bei Hobbies oder in sozialen Gefügen, sondern auch um solche „Pflichten“, wie regelmäßiger Besuch der Eltern oder gar Pflege.

Einsamkeit der Eltern

Wechseln wir die Perspektive. Was bedeutet ein Einzelkind konkret für die Eltern? Ich habe oft das Bild im Kopf, wie ich und der Papa des Kleinen später alleine in unserer Wohnung sitzen und uns über den Besuch unsres Sprösslings freuen. Bei mehreren Kindern haben Eltern später öfters das Vergnügen und mehr Leben in der Bude. Bei dem Gedanken daran, dass unser Kleiner später weiter wegzieht oder ins Ausland geht werde ich zuweilen ganz melancholisch. Gleichzeitig möchte ich ihm Flügel verleihen und er soll natürlich das tun und werden, was ihn glücklich macht.

Weniger Liebe in unserem Leben

Die Beziehung zum eigenen Kind ist unbeschreiblich und sprengt jegliche Vorstellungskraft von Liebe, wenn man noch kein Kind hat. Die Mutter-Kind-Beziehung bereichert das Leben um ein Vielfaches an Liebe. Man muss kein Mathegenie sein um zu wissen, dass jedes weitere Kind noch mehr dieser Liebe ins Leben trägt. Mit „nur“ einem Kind, verwehrt man sich dieser. Auch wenn, wie bei den Vorteilen eines Einzelkinds beschrieben, das gleichzeitig mit der doppelten Menge an Sorgen einher geht. Denn auch die werden mit jedem Kind mehr.

Vorteile und Nachteile Einzelkind – was überwiegt?

Das waren jetzt einige Nachteile von Einzelkindern, die auftreten können, aber nicht müssen. Ich merke, jetzt, nachdem ich beide Blogposts, zu den Vorteilen und zu den Nachteilen von Einzelkindern geschrieben habe, dass mir die Vorteile wesentlich leichter von der Hand gingen und ich sie mehr fühle. Die Nachteile hätte ich noch ausweiten können, aber dann wäre mir der Text sehr konstruiert vorgekommen. Ich habe nur die Nachteile geschildert, die ich auch sehe und nachvollziehen kann und die in meinen Augen frei von Klischees sind.

Wie sehen eure Erfahrungen aus?

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Miriam

    Danke für diesen Text und deinen Blog! Erst seit kurzem ist bei uns die Entscheidung gefallen, kein weiteres Kind zu bekommen. Das Gedankenkarussell war sehr groß bei mir, doch innerlich war mir schon länger klar, es wird bei unserer Maus bleiben. Zu dem Geschwisterthema möchte ich dir gerne mit geben, dass das auch komplett anders aussehen kann. Ich habe zwei leibliche Geschwister, zu beiden keinen Kontakt (aus gutem Grund – toxisch, narzisstisch). Zwei Stiefgeschwister, zu denen ich kaum eine Bindung habe (kein Interesse von deren Seite). Zwei Halbgeschwister (bin mir unsicher, ob sie von mir wirklich wissen – kein Kontakt zu meinem Vater). Also Geschwisterreichtum bringt nicht unbedingt Vorteile. Andererseits habe ich wundervolle Freunde, die wie meine eigene Familie sind. Menschen, die dieses Netz für mich sind, was du beschreibst. Also – auch Einzelkinder haben die Möglichkeit dieser Verbindung (die sie sich dann auch noch selber aussuchen). Ganz viel Liebe für dich und deinen Blog. Deine Beiträge tun mir gerade so so gut.

  2. Liesel

    Hallöchen,
    ich kann die Nachteile so gut fühlen. Das sind auch Gedanken, die mir immer mal durch den Kopf gehen, da wir auch bei einem Kind bleiben. Nur kommt dann für mich die Gegenfrage: „Ist es mir der zusätzliche Stress Wert, nur damit meine Tochter eine(n) potenzielle(n) (!!!) Spielpartner(in) hat?“ Da denke ich ganz klar: Nein. Zumal der Schuss auch nach hinten losgehen kann und man dann hinterher Entertainer für zwei Kinder sein darf oder dauerhaft am Streit schlichten ist. Die anderen Punkte sind natürlich auch zu bedenken. Allerdings kriege ich oft mit, dass im Pflegefall auch oft nur ein Kind sich kümmert und die anderen die Hände in den Schoß legen. Natürlich nicht überall, aber in meinem Umfeld (Kollegen, Bekannte) war es tatsächlich so. Da hat einer die Care Arbeit für die Pflege der Mutter übernommen und die anderen kamen 1x die Woche zum Kaffee vorbei, wo dann natürlich derjenige auch noch bewirten durfte :/ . Ein Gedanke: Vielleicht sollte man als Einkindeltern seinen finanziellen „Vorteil“ für genau solche Vorsorgen nutzen (wenn möglich)? Dass, das Kind eben nicht die Verpflichtung hat sich zu kümmern, weil alles geregelt ist und auch genügend Ressourcen dafür zur Verfügung stehen.

  3. Sanne

    Danke dir, für den Austausch und deine beiden Kommentare. Es ist schwer damit umzugehen. Mir hilft der Austausch mit Mamas in derselben Lage und Beispiele zu hören, in denen Geschwister dann doch nicht so ein inniges Verhältnis haben, wie ich es kenne, wie von dir auch beschrieben.

    In diesem Jahr fahren wir auch auf einen Campingplatz, mit viel Entertainment und hoffentlich vielen weiteren Kids. Freue mich schon, das wird eine 180 Grad-Erfahrung zu Dänemark werden 🙂

    Zum Druck, der auf Einzelkindern lastet, wenn die Eltern bedürftiger werden…..hier kann es auch entspannter sein, wenn nur ein Kind da ist, da dann keine Konflikte entstehen können, in denen die Geschwister die Verteilung der Last als ungerecht empfinden, etc. So habe ich es auch schon erlebt.

    Am Ende gibt es den einen richtigen Weg wahrscheinlich auch nicht. Man wird mit beiden Modellen irgendwie glücklich.

  4. Krissi

    Danke für den Text. Wir sind auch zu dritt und fühlen und eigentlich sehr komplett. Allerdings gibt es da schon diese kleine Stimme, eie genau diese Nachteile immer mal wieder vorbringt und raunt: bald ist es zu spät! Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll…
    Jedenfalls zum ersten Nachteil: wir campen sehr gern und das ist für mich eigentlich der ideale Urlaub. Da lernt man ganz unkompliziert andere Kinder und Familien kennen. In so einer Ferienwohnung ist man ja tatsächlich eher für sich…
    Und die anderen Punkte kann ich gut nachempfinden. Gerade was die Zukunft angeht, habe ich ein bisschen Sorge. Mein Mann ist auch Einzelkind und jetzt, wo seine Eltern mehr Hilfe brauchen, lastet viel Druck auf ihm, der ihn belastet.
    In Punkto familiennetz ist es bei mir allerdings ganz anders. Ich habe zwar einen Bruder, aber zu ihm ist mein Verhältnis nicht so eng wie zu manchen Freunden. Es geht also auch anders.

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